Montag, 5. Oktober 2009

Heute schon gespickt?



Die Ferien nahen, der Schreibtisch füllt sich mit geschriebenen Klausuren, sodass in der unterrichtsfreien Zeit kein Mangel an Beschäftigung aufkommen möge.
Die Arbeiten der Schüler sollen wertgeschätzt und beurteilt werden. Wir gehen davon aus, dass es sich um treulich dargelegtes Wissen handelt, ahnen aber manchmal, dass es mit Treu und Glauben nicht immer zugegangen sein kann.

Deshalb an dieser Stelle für alle eine kleine Fortbildung in Sachen "Spicken".
Zuerst lernen wir etwas über:

"Die Vorteile des Spickens im Allgemeinen und im Besonderen."




Jetzt kennen wir Manfred, Basistechniken und die Bedeutung der Lerperson fürs Spicken. Außerdem verdächtigen wir ab sofort jeden, der sich bei einer Klausur genauso verhält wie sonst auch.

Das soll fürs Erste reichen.
Also aufgepasst und mitgemacht!

Sonntag, 27. September 2009

Elitebildung

Was ist nur los mit den sogenannten Elitegymnasien?
Jahrelang hat man mit erhobener Nase dem Turbopauken das Wort geredet, Latein und Altriechisch mit stolzer Brust aus der Mottenkiste nach ganz vorne geholt und auf knallharter Selektion bestanden. Man war stolz darauf, dass man es geschafft hatte, eine beinahe homogene Schülerschar zu rekrutieren, die fast vollständig dem Bildungsbürgertum angehörte (oder denjenigen, die geschickt genug sind, sich dazuzählen zu können).
Karrieregeile Schulleiter peitschten Schüler und Lehrer in immer neue Wettbewerbe, deren Sinn nicht nachhaltiges Lernen war, sondern nur dazu dienten, am nächsten Tag in der örtlichen Presse ein Siegerfoto mit entsprechendem Text zu produzieren.
In einer solchen "Lernumgebung" war für Kinder mit Migrationshintergrund natürlich kein Platz, im wahrsten Sinne des Wortes. Die hätten ja integriert werden müssen.
Sie und deren Eltern wurden abgewimmelt mit allen Tricks.
Und jetzt? Jetzt wird's gefährlich.
Das Bildungsbürgertum hat erkannt, dass ihre Kinder mit G8, Latein, Leistungsdruck und kaum noch vorhandener Freizeit nicht glücklich werden. Sie ziehen ab. Zurück bleibt die priviligierte, aufgeblähte "Eliteanstalt".
In meiner neuen fünften Klasse einer solchen Anstalt habe ich heute Zeynep, Mahsun, Bishan, Duc, Trimor, Ahya, Zaki, Mati und Sibel begrüßt. Viele sind angeblich nicht geeignet für unsere Schule, aber die Schule braucht Masse.

Was ist passiert? Was wird aus ihnen?

Sonntag, 13. September 2009

Pferdesport




Achtung Sportlehrer!!
Ist die Sporthalle mal wieder für etwas wirklich Wichtiges reserviert, sodass der Sportunterricht ausfällt oder kurzerhand ins Klassenzimmer verlegt wurde?
Ist nun auch der letzte Ball mit Luft nur noch ein Fetzten Kunstleder und der Hallenboden von Wasser durchtränkt, das durch das seit Jahren nur provisorisch geflickte Dach hineingeregnet ist?
Wenn dies so ist, und wann ist es nicht so, dann bieten wir heute in der Rubrik "Sportlehrer, wir können auch anders"

neben dieser Variante aus dem Fundus

etwas Neues:



Fächerübergreifend basteln wir im Kunstunterricht "Pompfen" und üben im Musikunterricht den Juggerrhytmus. Ja, und dann raus auf die Wiese und immer kräftig auf die Köpfe gedroschen.
Ein alter Pferdekopf sollte auch schnell beschafft sein, sowas liegt ja überall herum.
Alles wird gut!

Faust, ganz kurz




Zumindest in Hessen wird zur Zeit wieder allerorten geFaustet. Alle Oberstufenschüler müssen ran an "Habe nun, ach", "Gretchenfrage" und "Heinrich, mir graut vor dir"!
Das dauert.
Einer meiner Schüler (Danke Markus) hat mir nun den Link zu einer erfrischenden Kürzestversion geschickt, den ich hier gerne weitergebe.
Wer's also ganz eilig hat:
Tobias Mann rappt den Faust....

Samstag, 5. September 2009

Dufte Schule




So, jetzt riecht's!

Wieso sind wir eigentlich nicht früher darauf gekommen?

Was haben wir nicht alles versucht, um die Konzentration und Motivation unserer Schüler zu verbessern?

Wie oft hat man sich unter das prügelnde, tretende und fluchende Schülervolk geworfen, um wenigstens das Schlimmste zu verhindern?

Alles falsch, alles vergebens, so sehen Erfolgsergebnisse aus:

Verbesserung der Konzentration: 39%

Verbesserung der Motivation: 44%

Abnahme der Aggressivität: 32%

Und wie wird das gemacht?

Ganz einfach, zum Beispiel mit dem „Duftset Dufte Schule mit Duftstein in der Schmuckdose.“

Die „Dufte Schule Duftkomposition“ macht, sobald sie aktiviert ist, aus lernunwilligen, zappeligen und gewaltbereiten Problemschülern „harmonisierte“ Engelchen. Ja und mit denen machen wir dann all die schlimmen Sachen, die sie sich sonst einfach nicht hätten gefallen lassen.

Es fallen uns hier allerdings bei aller Begeisterung ein paar kritische Fragen ein, die noch zu klären sind:

Wie reagiert eigentlich ein harmonisierter Lehrkörper, oder soll der die „Duftkomposition“ gar nicht einschnuppern? Soll er also erst einmal die gesamte Klasse bei geschlossenen Fenstern einsperren und dann den Raum sozusagen zwangsbeduften?

Was geschieht bei einer Überdosierung, wenn zum Beispiel die programmierte „Duftsäule“ explodiert? Was tue ich also mit einem Haufen zugedröhnter Jugendlicher, die sich vor lauter Harmonie völlig enthemmt im Klassenzimmer einander hingeben wollen?

Ist mit dem Duftspray auch so etwas wie eine einmalige Krisenintervention möglich, sagen wir mal, wenn der Klassenbrutalo mal wieder ausrastet, dass ich ihm eine volle Ladung ins Gesicht dufte, oder so ähnlich?

Fragen über Fragen.

Da wird es wohl das beste sein, wir nehmen am Pilotprojekt der „Duften Schule“ teil. Dann können die Schüler im TaoMobil, einem Infobus mit Duftpflanzenlehrpfad, Riechkino und acht Meter langem Wasserfall, sich auf das Kommende einstellen.

Und was machen wir Lehrer derweil?

Samstag, 29. August 2009

And hopp!!



Der Verein Deutsche Sprache hat den "Sprachpanscher 2009" gewählt - die schlimmsten Beispiele dafür, die englische Sprache in den deutschen Wortschatz zu zwingen.
Ganz vorne dabei ist der altehrwürdige "Deutsche Turnerbund".

In der Werbung für das Internationale Turnfest 2009 in Frankfurt war zu lesen von "Rent a star", einer "GymCard", "Gymmotion", einem "Volunteer-Programm", "Slacklining", "YouTurn" und der "Turnfest Community".

Dann gibt es da etwa noch dies:
"Sport for Fun beim Six Cup mit Public Doing".
Alles klar??

Merkwürdig, dass gerade im Bereich Sportwissenschaft und Sportfunktionäre solche Aufmerksamkeit heischende Sprache häufig zu finden ist.

Auch der "Deutsche Sportlehrerverband" hat sich vor einiger Zeit nicht entblöden können, dem von ihm konstatierten Motivationsverlust der Schüler mit dem krachenden Spruch "Sport in School is cool" entgegenzutreten. Na das hat gezündet!

Da hier nicht nur gejammert, sonder immer auch konstruktiv mitgemacht wird, folgen nun unsere Vorschläge für mehr Drive in der Turnhalle. Wir sagen ab sofort nicht mehr:
Ringe sondern "swinging belt"
Turnmatte sondern "roll-on-blanket"
Reck sondern "iron-monster"
Barren sondern "wooden-stage"
Trampolin sondern "jump-in"
Umkleidekabine sondern "strip-center"


Lets do it, yes we can!!

Samstag, 22. August 2009

Hatschi, Musik fällt aus!




So, die große Sommerpause ist beendet. Mit einer veritablen Gesamtkonferenz startet der Lehrkörper in die neue Schaffensphase und hat schon nach einer halben Stunde "Ankündigungen durch die Schulleitung" das Gefühl, dass sechs Wochen Ferien zum Teufel sind und spürt erste Fluchtreflexe.
Doch es gibt ja unser fürsorgliches Kultusministerium. Das sorgt immer wieder für Erheiterung, für Hoffnung.
Hoffen dürfen nun vor allem erst einmal die Musikkollegen, hoffen auf eine unerwartete Ferienverlängerung.
Wie das?
Das Ministerium teilt zum Schulstart in einer "Information für Schülerinnen und Schüler und ihre Eltern zum Umgang mit der Schweinegrippe" u.a.mit:
Die Ansteckung erfolge in der Regel durch Tröpfchen, die "beim Niesen, Husten, Singen und Sprechen" freigesetzt würden.
Beim Singen!
Kein Gesang, kein Musikunterricht, Ferienverlängerung!
Welche Auswirkungen ein Sprechverbot in der Schule haben könnte, ist noch unklar.
Wie gesagt, unsere Kultusoberen sorgen immer wieder für Spannung im tristen Pädagogenalltag. Jetzt kann's losgehen.
Gut gemacht!

Freitag, 24. Juli 2009

Pause



Die Meldungen aus dem pädagogischen Untergrund machen erst einmal Pause.
Pause, weil Lehrer bekanntlich in den Ferien ganz viel Pause machen und weil Mephisto grundsätzlich über das Bloggen nachdenkt, zunächst alleine...

Freitag, 5. Juni 2009

Da guckst du



Protokoll der mündlichen Abitur-Prüfung vom 4.6.2009

Fach: Deutsch, Thema: Arthur Schnitzlers Leutnant Gustl

Aufgabe: Welche besondere Erzähltechnik erkennen Sie in Schnitzlers Werk?

Ok, die letzte für heute, was für ein Thema, ach ja, dasselbe wie eben. Mir tut schon die Hand weh vom vielen Schreiben, ich schreib jetzt nur noch die Hälfte auf, das liest eh kein Mensch mehr und wenn, kapiert doch keiner mehr, was hier besprochen wurde. Dieser Raum, irgendwie unwürdig, da macht einer seine letzte Schulprüfung in einem schlecht riechenden, unaufgeräumten, dreckigen Klassenraum, Mann. Nein, so muss es sein, das wär doch sonst der absolute Schock für die Prüflinge, die kennen das ja gar nicht anders, aber trotzdem... Gut, egal, die eine noch. Da kommt sie ja endlich, wenn die wieder so'n Dekolleté hat, verkriecht sich der Vorsitzende im Mülleimer, der wusste ja eben gar nicht mehr, wo er hingucken sollte. Ja, ok, wir wissen alle, wie das hier läuft, los jetzt. Die fängt genauso an wie die von eben, hätte ich glatt kopieren können, hört sich aber gut an, das wird was. Mein lieber Schwan, das Dekolleté, was macht der Vorsitzende, verklemmt sich, das gibt‘s doch nicht, verdammt, was hat sie gesagt, ja, ja, Innerer Monolog und der ganze Rest, liest eh keiner. Ich hab Hunger, hoffentlich ist noch was von dem Croissant da. Diese Schiller- und Goethezitate hängen in diesem Raum seit mindestens fünf Jahren. Guckt da mal einer drauf, verdammt, das heißt doch Bewusstseinsstrom, ist da jetzt ein s zu viel, na ja, guck ich gleich nochmal. Also, Junge, Junge, wenn ich nicht schreiben müsste, würde mich das Dokolleté wahrscheinlich auch nervös machen, ist das jetzt Absicht, ich kenn die gar nicht, jetzt hat er aber richtig draufgeguckt, ich muss mich konzentrieren, irgendwas muss hier nachher stehen. Was? Ach so, das hat er eben auch gefragt, was kommt da jetzt, na ja, klar. Ich guck jetzt auch mal richtig, nix da, wenn das auffällt, das stört doch. Er hat wieder geguckt, hält sich die Hand so verkrampft vors Gesicht, der kämpft. So, ja, die eigene Meinung, da muss ich aufpassen, da kann man ja gar nicht weggucken, was heißt hier "lieben belebt", ist das wirklich von Goethe, jetzt komm zum Ende, ja ,ja. Wie, 15 Punkte, wo hat eigentlich der Prüfer die ganze Zeit hingeguckt?

Donnerstag, 4. Juni 2009

Hier spricht der Papst

"Unser Deutschunterricht mag für künftige Lehrer perfekt sein - für alle anderen, die etwas zu sagen haben, ist er ein Desaster."

Es ruft wieder jemand.
Wolf Schneider, der nichts weniger als ein "Sprachpapst" ist, richtet das Wort an die Deutschlehrer.
Da muss man doch mal zuhören.
In der Onlineausgabe der Süddeutschen Zeitung erscheint seit Mai der "Sprach-Videoblog" von Wolf Schneider.
Schon im zweiten Eintrag setzt sich der Autor kritisch mit uns Deutschlehrern auseinander und erklärt mal kurz, warum das alles gar nichts werden kann mit uns und unseren Schülern.
Einiges könnte einem ganz tröstlich erscheinen, denn Schuld seien die Bürokraten, aber so richtig erhellend kann mir Herr Schneider in 2 Minuten 45 Sekunden die Lage auch nicht schildern.
Naja, muss man ja wohl auch nicht, wenn man Papst ist.


Hier spricht Herr Schneider

Dienstag, 12. Mai 2009

Rätsel für entspannte Deutschlehrer

Zur Zeit beschäftigt sich der hessische Deutschlehrer mit hoher Wahrscheinlichkeit, wenn er oder sie in der Oberstufe tätig ist, mit Fontanes "Irrungen Wirrungen".
Themen und Aussagen des Werkes sind nicht zu den großen Herausforderungen zu zählen, so sah es jedenfalls eine Schülerin nach der ersten Doppelstunde, als sie konstatierte:
"Gut, meiner Meinung nach haben wir alles gesagt, was es zu sagen gibt, was lesen wir jetzt?"
Wir haben dann doch noch einiges gefunden, mit dem wir uns beschäftigen konnten.
Unter anderem ist ein kleines Rätsel für Deutschlehrer herausgekommen, die ja jetzt alle total unterfordert (siehe oben) vor ihren Kursen stehen.

Also: Kreative Schüler haben vier Beziehungen des Fontaneschen Werkes in einer "Beziehungskiste" dargestellt, indem sie in jede Kiste Dinge gepackt haben, die symbolisch für diese Beziehung stehen.
 

Aufgabe:
In welcher Abteilung wird welche Beziehung gezeigt? Begründen Sie!

Viel Erfolg

Gute Noten, verständlich!

Im Sportunterricht gibt es häufig gute Noten weil: • im Sportunterricht die allermeisten Schüler etwas tun, was sie auch in ihrer Freizeit m...