Sonntag, 27. September 2009

Elitebildung

Was ist nur los mit den sogenannten Elitegymnasien?
Jahrelang hat man mit erhobener Nase dem Turbopauken das Wort geredet, Latein und Altriechisch mit stolzer Brust aus der Mottenkiste nach ganz vorne geholt und auf knallharter Selektion bestanden. Man war stolz darauf, dass man es geschafft hatte, eine beinahe homogene Schülerschar zu rekrutieren, die fast vollständig dem Bildungsbürgertum angehörte (oder denjenigen, die geschickt genug sind, sich dazuzählen zu können).
Karrieregeile Schulleiter peitschten Schüler und Lehrer in immer neue Wettbewerbe, deren Sinn nicht nachhaltiges Lernen war, sondern nur dazu dienten, am nächsten Tag in der örtlichen Presse ein Siegerfoto mit entsprechendem Text zu produzieren.
In einer solchen "Lernumgebung" war für Kinder mit Migrationshintergrund natürlich kein Platz, im wahrsten Sinne des Wortes. Die hätten ja integriert werden müssen.
Sie und deren Eltern wurden abgewimmelt mit allen Tricks.
Und jetzt? Jetzt wird's gefährlich.
Das Bildungsbürgertum hat erkannt, dass ihre Kinder mit G8, Latein, Leistungsdruck und kaum noch vorhandener Freizeit nicht glücklich werden. Sie ziehen ab. Zurück bleibt die priviligierte, aufgeblähte "Eliteanstalt".
In meiner neuen fünften Klasse einer solchen Anstalt habe ich heute Zeynep, Mahsun, Bishan, Duc, Trimor, Ahya, Zaki, Mati und Sibel begrüßt. Viele sind angeblich nicht geeignet für unsere Schule, aber die Schule braucht Masse.

Was ist passiert? Was wird aus ihnen?

Sonntag, 13. September 2009

Pferdesport




Achtung Sportlehrer!!
Ist die Sporthalle mal wieder für etwas wirklich Wichtiges reserviert, sodass der Sportunterricht ausfällt oder kurzerhand ins Klassenzimmer verlegt wurde?
Ist nun auch der letzte Ball mit Luft nur noch ein Fetzten Kunstleder und der Hallenboden von Wasser durchtränkt, das durch das seit Jahren nur provisorisch geflickte Dach hineingeregnet ist?
Wenn dies so ist, und wann ist es nicht so, dann bieten wir heute in der Rubrik "Sportlehrer, wir können auch anders"

neben dieser Variante aus dem Fundus

etwas Neues:



Fächerübergreifend basteln wir im Kunstunterricht "Pompfen" und üben im Musikunterricht den Juggerrhytmus. Ja, und dann raus auf die Wiese und immer kräftig auf die Köpfe gedroschen.
Ein alter Pferdekopf sollte auch schnell beschafft sein, sowas liegt ja überall herum.
Alles wird gut!

Faust, ganz kurz




Zumindest in Hessen wird zur Zeit wieder allerorten geFaustet. Alle Oberstufenschüler müssen ran an "Habe nun, ach", "Gretchenfrage" und "Heinrich, mir graut vor dir"!
Das dauert.
Einer meiner Schüler (Danke Markus) hat mir nun den Link zu einer erfrischenden Kürzestversion geschickt, den ich hier gerne weitergebe.
Wer's also ganz eilig hat:
Tobias Mann rappt den Faust....

Samstag, 5. September 2009

Dufte Schule




So, jetzt riecht's!

Wieso sind wir eigentlich nicht früher darauf gekommen?

Was haben wir nicht alles versucht, um die Konzentration und Motivation unserer Schüler zu verbessern?

Wie oft hat man sich unter das prügelnde, tretende und fluchende Schülervolk geworfen, um wenigstens das Schlimmste zu verhindern?

Alles falsch, alles vergebens, so sehen Erfolgsergebnisse aus:

Verbesserung der Konzentration: 39%

Verbesserung der Motivation: 44%

Abnahme der Aggressivität: 32%

Und wie wird das gemacht?

Ganz einfach, zum Beispiel mit dem „Duftset Dufte Schule mit Duftstein in der Schmuckdose.“

Die „Dufte Schule Duftkomposition“ macht, sobald sie aktiviert ist, aus lernunwilligen, zappeligen und gewaltbereiten Problemschülern „harmonisierte“ Engelchen. Ja und mit denen machen wir dann all die schlimmen Sachen, die sie sich sonst einfach nicht hätten gefallen lassen.

Es fallen uns hier allerdings bei aller Begeisterung ein paar kritische Fragen ein, die noch zu klären sind:

Wie reagiert eigentlich ein harmonisierter Lehrkörper, oder soll der die „Duftkomposition“ gar nicht einschnuppern? Soll er also erst einmal die gesamte Klasse bei geschlossenen Fenstern einsperren und dann den Raum sozusagen zwangsbeduften?

Was geschieht bei einer Überdosierung, wenn zum Beispiel die programmierte „Duftsäule“ explodiert? Was tue ich also mit einem Haufen zugedröhnter Jugendlicher, die sich vor lauter Harmonie völlig enthemmt im Klassenzimmer einander hingeben wollen?

Ist mit dem Duftspray auch so etwas wie eine einmalige Krisenintervention möglich, sagen wir mal, wenn der Klassenbrutalo mal wieder ausrastet, dass ich ihm eine volle Ladung ins Gesicht dufte, oder so ähnlich?

Fragen über Fragen.

Da wird es wohl das beste sein, wir nehmen am Pilotprojekt der „Duften Schule“ teil. Dann können die Schüler im TaoMobil, einem Infobus mit Duftpflanzenlehrpfad, Riechkino und acht Meter langem Wasserfall, sich auf das Kommende einstellen.

Und was machen wir Lehrer derweil?