Montag, 30. November 2009

Hier spricht Herr Russ



Alle mal herhören!
Wer in letzter Zeit sich erdreistet hat, im Unterricht eventuell ein "Medium", das mit Strom betrieben wird zu gebrauchen oder eine Methode anwendete, bei der sich Schüler aus der starren Trichterhaltung wegbewegten oder wer sich sogar in das "digitale Nirwana" Internet begab - am Ende noch im Beisein von Schülern - um sich dort Informationen zu besorgen, ja der, der kann sich mal so richtig eine Watschn abholen bei Herrn Russ in der FAS.  (FAS Nr. 48 vom 29. Nov. 2009, S. 11)
Herr Russ holt hier zum Rundumschlag aus, gegen alles, was irgendwie neu ist. Herr Russ ist nicht mehr ganz so neu, er ist pensioniert.  Vieles, vor dem uns Herr Russ warnt, ist in der Tat ein schöner Blödsinn und schönen Blödsinn kann Herr Russ auch sprachlich schön niedermachen. Gut so!
Aber was will der Autor uns sagen, wo ist der Weg, wo ist die Hoffnung, die uns ein jahrzentelang tätiger Lehrerausbilder geben könnte?
Diffus wird ein Lob dem "abfragbaren Wissen" gezollt, wie wir das aber produzieren sollen, erfahren wir nicht, man könnte vermuten mit der guten alten Methode Vormachen - Nachmachen -Setzten?
Wie auch immer: Die große FAS hat Herrn Russ mal so richtig vom Leder ziehen lassen. Wir im Pädagogischen Untergrund fühlen uns ziemlich gebürstet.

Dienstag, 17. November 2009

Noch eine... Klage eines Klassenlehrers

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Was ein Klassenlehrer so alles zu tun hat, das andere nicht machen müssen, darüber gibt es lange Klagen und lange Listen.
-          Schreiben von Förderplänen
-          Förderbedarf feststellen
-          Belehrungen durchführen
-          Zeugnisse schreiben
-          Elternarbeit → Elterngespräche, Elternabende
-          Fehltage, Fehlstunden errechnen
-          Mutti- bzw. Elternheft führen
-          Zensurenzusammensetzung
-          Vorbereitung, Organisation von Wandertagen, Klassenfahrt
-          Klassenkasse
-          Führung des Klassenbuches
-          Einfluss auf soziale Beziehung innerhalb der Klasse (Lösung von Konflikten)
-          Vorbereitung des kommenden Schuljahres → Bücher, Fahrkarten, Transport, Hort
-          Ausgabe und Einsammeln von Elternbriefen
-          Leitung der Klassenkonferenz
-          Essengeld einsammeln
-          Raumgestaltung
-          Vorbereitung und Durchführung von Projekttagen und Festen
-          Kontrolle Hausaufgabenheft
-          Führung Notenheft (darauf achten, dass Lehrer in regelmäßigen Abständen darin eintragen) 
-          Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen
-          Kooperation mit Ämtern und Behörden
-          Klärung schulorganisatorischer Dinge, die für die Klasse wichtig sind (bewegl. Ferientag, Feste, etc.)
-          Kooperation mit Fachlehrern
So langsam reicht es aber auch den robustesten Klassenvorständen.
In obiger „TODO-LISTE“ steht ganz zum Schluss die Aufgabe: Kooperation mit Fachlehrern.
Dieses Aufgabenfeld interpretieren viele der sogenannten Fachlehrer immer öfter derart, dass sie das Gespräch, den Austausch oder die Auseinandersetzung mit den Schülern reduzieren oder schlicht vermeiden, besonders wenn es Konflikte gibt.
Da bekommt dann der Klassenlehrer irgendwelche Gegenstände ins Fach gedrückt, die angeblich renitenten Schülern entwendet wurden mit der Aufforderung, sie eben diesen Schülern wieder zurückzugeben. Ja und dann?
Da beschwert sich die gekränkte Kollegin per mail über die ach so schlimme Klasse und ist anschließend geschockt, wenn der Klassenlehrer mit seinen Schülern über den ihm zu Ohren gekommenen Konflikt spricht, ohne dabei die Identität der gekränkten Kollegin unter allen Umständen zu verheimlichen, denn nun habe man ja den Ärger und stehe als Petze da.
Der Beispiele gibt es noch viele. Das Muster ist leider häufig ähnlich: Probleme des Lehrens werden in einer ersten Phase den Schülern angelastet, wenn dann der kommunikative und pädagogische Faden gerissen ist, wird über den Klassenlehrer angeklagt, wird die eigene Entlastung diffus eingefordert.
Wann sagt man: "Nicht mehr mit mir, mach deinen Job alleine!"

Dienstag, 3. November 2009

Komische Tipps für Lehrer






Wenn irgendwo ein Artikel auftaucht mit der Überschrift:
"Tipps für Lehrer",
dann wendet sich der Pädagoge meist berechtigterweise ab, entweder weil die sogenannten "Tipps" nichts taugen oder weil nur kalter Kaffee geboten wird.
Der Kabarettist mit Medizinhintergrund Eckard von Hirschhausen hat eine kleine Liste mit Ratschlägen für Lehrer vorgelegt, die man sich ruhig einmal zu Gemüte führen sollte.

Ich gebe hier einen Auszug wieder. Den vollständigen Artikel findet man hier:


1. Sei wach!

Präsentieren beginnt mit präsent sein. Der Lehrer sollte immer wacher sein als die Klasse. Machen Sie sich warm! Kein Fußballer wechselt direkt von der Bank aufs Feld ein. Aber wie oft fällt man direkt aus dem Bett ans Pult? Um den Geist warmzulaufen, hilft körperliche Bewegung: grimassieren, lächeln, hüpfen, Arme kreisen, die ersten Sätze laut vor sich hin sprechen. Die Vorbereitung muss niemand sehen. Aber alle werden spüren, dass da jemand frisch auf sie zugeht. Das macht neugierig.

2. Gib mir den Krimi – nicht den Mörder

Warum lesen wir Kriminalromane? Um zu erfahren, wer es war? Nein, dann würden wir gleich von hinten zu lesen beginnen. Im Gegenteil, wir lieben die Entwicklung der Geschichte, die Spannung. Ein guter Lehrer berücksichtigt das. Wenn das Thema keine Geschichte hergibt, lohnt es, kurz zu erklären, was einen selber an dem Thema packt. Wann im Leben es einem geholfen hat, gerade diese Sache zu wissen. Oder komischer: wann man sich gewünscht hätte, sie zu wissen. Wer als Lehrer ausstrahlt: „Ich bin der Experte, ihr dürft froh sein, dass ich mein herrschaftliches Wissen mit euch teile“, ist schnell unten durch.

Lehrer müssen über ihren „Stoff“ staunen können. Die Haltung des Komikers ist, sich über Dinge zu wundern, zu fragen, warum etwas so sein muss, was dahintersteckt. Kindliche Neugier treibt uns an, weil Fragen interessanter sind als Antworten. Der Nobelpreisträger Eric Kandel verrät sein Erfolgsgeheimnis in „Auf der Spur des Gedächtnisses“, dem sehr sehenswerten Film über sein Leben: Während andere Kinder nach der Schule zu Hause gefragt wurden: „Was hast du heute gelernt?“, wollten seine Eltern wissen: „Hast du heute eine gute Frage gestellt?“

3. Ein Sandwich heißt nach dem Belag, nicht nach dem Brot

Humor bedeutet nicht, einen Witz zu erzählen und dann „zum eigentlichen Thema“ zu kommen. Deshalb habe ich die „Sandwich-Technik“ erfunden: Das Brot nährt, der Belag macht es schmackhaft. Der Belag ist dabei die humorvolle Bemerkung, die zwischen den beiden Scheiben liegt: nämlich zwischen der thematischen Hinführung und nach dem Belag wieder zurück zum Thema. Ihre erste Aufgabe als Lehrer ist es, etwas zu finden, das als „Belag“ zum „Brot“, also zur Botschaft, passt. Wer als Humorneuling frischen Wind in den Unterricht bringen möchte, schafft dies statt mit einer eigenen Geschichte anfangs leichter mit bereits Vorgefertigtem: Bonmots, Zitaten, Anekdoten, einem lustigen Foto, einem Cartoon aus Büchern, Nachschlagewerken oder aus dem Internet. Also: keine Ausreden mehr für Langweiler.

Schwieriger wird es, wenn man den Humor der Zielgruppe anpassen muss. Denn nichts gibt so sehr Auskunft über die geistige Entwicklung eines Menschen wie sein Humor. Was man in der dritten Klasse noch superlustig findet, ist in der fünften schon so was von uncool. Manchmal funktioniert der Grundschulhumor aber wieder in der Oberstufe, zumindest bei den Kiffern.

Liebe Lehrer, Sie haben einen unschätzbaren Vorteil gegenüber jedem Kabarettisten: Von Ihnen erwartet niemand etwas Lustiges! Umso leichter übertreffen Sie alle Erwartungen, wenn Sie einen originellen Einstieg ins Thema finden, zwischendrin ein verdauungsförderndes „Sandwich“ anbieten und mit einem schönen Dreh enden. Der Komiker rät: Übe da, wo es weniger wehtut, wenn du scheiterst. Im Gespräch, am Telefon, im kleinen Kreis. Richtig locker bist du vor der Klasse erst, wenn du mit Freude auch mal scheitern kannst.



Thomas Edison hat jahrelang erfolglos an der Glühbirne gebastelt. Als es dann klappte, wurde er in einem Interview gefragt: „Wie haben Sie das ausgehalten, so viele tausend Male zu scheitern?“ Seine Antwort: „Ich bin nie gescheitert. Ich habe erfolgreich Wege eliminiert, die nicht zum Ziel führten.“ Wenn ein Gag mal nicht funktioniert, denken Sie an Edison. Irgendwann geht jedem ein Licht auf, man muss nur lange genug dranbleiben.