Mittwoch, 29. Juni 2011

Planking, neu im trendigen Sportunterricht

Ok, das habe ich nicht gewollt, das war so nicht geplant.



Es gehört  bei verschiedenen Sportarten einfach dazu, dass man eine gewisse Körperspannung aufbauen kann.
Die metaphorische Umschreibung lautet dann im Sinne einer Aufforderung oder Aufmunterung: "Mach dich steif wie ein Brett!"
Seit Jahren habe ich Hunderte von Schülern so dazu gebracht, z. B. die schönsten akrobatischen Figuren mit Freude und Spaß zu meistern.

Was daraus entstanden ist, habe ich also wirklich so nicht gewollt. Wer hätte das den ahnen können und wie konnte das bis nach Australien ausstrahlen?

PLANKING: Ich bin das Brett, verbrettert, Brett vorm Kopf, ich mach mich lang.
Irgendwie kaum zu glauben aber irgendwie auch cool. Mehr davon!

Natürlich werde ich beim nächsten Mal, wenn es um Körperspannung geht, nicht mehr vom "steifen Brett" sprechen sondern ein frisches "lets plank" in die Turnhalle schmettern.

Hier ein kleine Einführung ins Thema.

Samstag, 25. Juni 2011

Golf ist witzig, ja!

Seit einigen Jahren ist ein Schnupperkurs Golf Bestandteil meines Sportunterrichts. Das Bild, das die Schüler von dieser Sportart im Kopf haben, ist meist geprägt von Strenge, Ernsthaftigkeit und Spaßferne.
Nach unserem Wochenende auf dem Golfplatz sieht das dann ganz anders aus, das ist dann schon ein erster Erfolg.

Gestern habe ich ich dieses Video entdeckt, in dem vier der besten jungen Golfspieler sich einen Riesenspaß daraus machen, ihren Sport musikalisch auf die Schippe zu nehmen.

Vorbildlich! Alle anderen Sportler: nachmachen bitte!


Abischerz



Das Schuljahr ist beendet, die Lehrkraft lehnt sich zurück, ist wohl- und gnädig gestimmt ob der vielen Anbefohlenen, die es doch noch irgendwie geschafft haben, wieder ein Jahr im deutschen Bildungs-Dschungelcamp überlebt zu haben.
Nur eine Gruppe macht Sorgen: Unsere Abiturienten
Nachdem nun alles geschafft ist und es spätestens jetzt an der Zeit wäre, mal so richtig Dampf abzulassen, sieht man Folgendes:
Brav und mit gesenktem Haupt sitzen sie stundenlang vor der Tür der Schulleitung, um sich dort anschließend vorschreiben zu lassen, wie sie denn nun die Rituale der letzten Schultage zu gestalten haben.
Besonders der Abischerz (hihi) muss genau geplant sein, darf doch der normale Schulablauf nur vorhersehbar ein wenig "gestört" werden.
Ein genauer Zeitplan wird erstellt, der Hausmeister, der Sanitätsdienst, der Elternbeirat und die Feurwehr sind informiert (und damit natürlich alle anderen auch), das lustige Treiben kann also beginnen. Kann es nicht, denn die Schulleitung besteht auf einer Liste aller möglichen Aktivitäten, um immer Herr der Lage sein zu können.
Spätestens beim Ausformulieren dieser Liste, die natürlich jeweils mit der Versicherung versehen sein muss, dass weder Kollegen noch Kolleginnen in irgendeiner Weise kritisiert werden dürfen, beschleicht den ein oder anderen kreativen und selbstbewussten Abiturienten der Verdacht, dass diese Veranstaltung doch nicht die seine sein wird und er zieht sich diskret zurück.
Was dann kommt, ist einfach nur peinlich oder langweilig, die Fünftklässler, die zum Zuschauen beim Abischerz verdonnert worden sind, fragen nach einer halben Stunde, ob sie nicht lieber Fußball spielen dürfen.

Was ist los mit unseren Abiturienten? Nichts gelernt bei Schiller? Nichts gelernt bei Brecht?
Vielleicht ein bisschen, aber es hat nicht gereicht, sich einmal wirklich die Freiheit zu nehmen in der Schule - und sei es am letzten Tag.

"Früher war das anders"!

Das Thema wird auch auf "schwäbisch" bearbeitet.

Mittwoch, 22. Juni 2011

Letzte Stunde



 „Es ist schon immer so gewesen, am letzten Tag wird vorgelesen.“
Das waren noch Zeiten, als es für Schüler ein seltener Höhepunkt war, wenn die Lehrkraft sich bemüßigt fühlte, wegen der herannahenden Ferien nun einmal etwas Nettes zum Vortrage zu bringen und gar selbst ein Geschichtlein vorlas.
Den Schülern war es beinahe egal, was da angehört werden sollte, Hauptsache, nicht auch in der letzten Stunde noch pauken, inclusive Hausaufgaben für „über die Ferien“.
Heute sieht das ganz anders aus:
Elektronisch hochgerüstete Schüler, die über die in der Schule gebotenen und möglichen Formen der Nutzung von neuen Medien nur lachen können, warten am letzten Tag vor den Ferien gelangweilt auf  den Lehrer, der ihnen das seiner Meinung nach „brandneue“ VHS-Video vorführen möchte, das 80% der Schüler sich schon vor vier Jahren als Raubkopie auf den Laptop gezogen haben.
Also:
Stress in der Lehrerschaft. Schon Wochen vor dem „Letzte-Stunde-Termin“ sind alle nervös und fragen sich zuerst, in welcher Klasse muss ich wohl präsentieren? Wo sitzt der Feind?
Unabhängig von dieser Frage werden präventiv alle Videoräume und sonstige Medien gebucht und blockiert, damit man für alle Eventualitäten gerüstet ist.
Hecktisch wird die einschlägige Ratgeberliteratur einschließlich des Internets nach „funktionierenden“ Tipps für die „Letzte Stunde“ durchforstet.
Dabei kommt meist nicht wirklich etwas Gutes heraus und der gestresste Lehrkörper kann froh sein, wenn seine „Letzte-Stunde-Klasse“ auf solch rettende Ideen wie „Wir könnten doch frühstücken“ oder „Lasst uns doch nochmal wichteln“ kommt.
Dass diese Freude nicht allen beschieden ist, wurde mir vor ein paar Tagen wieder klar.
Ein junger Kollege, gerade examiniert, stand jetzt also mit seiner Kassette da, wusste, dass er wohl keine Beifallsstürme in seiner Klasse erwarten konnte und hatte trotzdem etwas von endgültiger Kühnheit in seinem Blick.
Er gab stolz zu verstehen, dass er bis zum Schluss anspruchsvollen Unterricht machen werde.
Den Film, den er zeigen werde, habe er nicht in deutscher Sprache bekommen, nur mit deutschen Untertiteln und somit sei sein Unterricht eben fächerübergreifend, also toll und etwas Besonderes, also perfekt für die letzte Stunde.
Wie die Schüler das fanden, weiß ich nicht.
Das Vorlesen einer schönen Geschichte kennen übrigens die meisten Schüler kaum noch.
Sie genießen es ab und an. Warum nicht in der letzten Stunde?