Mittwoch, 25. Februar 2009

Umfrageergebnis 1



Die erste Umfrage im pädagogischen Untergrund hat ergeben, dass 71% der Teilnehmer in Lehrern, wenn sie denn Tiere wären, Wühlmäuse sehen.
Es scheint also mehr Untergrundarbeiter zu geben als angenommen.
Überhaupt niemand konnte sich einen Lehrer als Schmetterling vorstellen.
Schade eigentlich, oder?

Montag, 23. Februar 2009

Blöde Lehrer sind beliebt


Im Pädagogischen Untergrund rumort es.

Verschiedene Zeitungen berichten am Wochenende relativ übereinstimmend über:

1. Das „Comeback der Lehrer“ mit gleichzeitigem Imagezuwachs wegen akuten Lehrermangels .

2. Die Lehrer, die mit einigen Ausnahmen die schlechtesten Schüler gewesen seien, die Volltrottel also, die es sonst in ehrenhaften Berufen zu nichts gebracht hätten, respektive wegen Blödheit erst gar nicht einen solchen hätten ergreifen dürfen.

Dass die Studie, auf die man sich bezieht, zwar auch schon zehn Jahre alt ist und mich in diesen Jahren so manche Ahnung einer Bestätigung ihrer Hauptthese beschlichen hat, mindert meine Verwirrung nur mäßig.

  • Wie passt das alles zusammen? Wie soll das weitergehen?
  • Was ist mit dem neuen, tollen Image, wenn der gemeine, schulgeschädigte Bürger von der Studie erfährt?
  • Und wie begegnen wir selbst den nun unvermeidlichen Aufforderungen unserer Kultusoberen, die noch retten wollen, was nicht mehr zu retten ist, die als doof entlarvten Lehrer müssten sich jetzt noch mehr fortbilden, am Wochenende und in den Ferien selbstverständlich?

Die Lösung ist untergründig schnell gefunden.

Da auch unsere Schüler sich nachweislich verschiedenster Studien (Pisa, Timms etc.) am Rande des Schwachsinns herumtollen und zu rein gar nichts zu gebrauchen sind, da kann es sich die Lehrerschaft überhaupt nicht erlauben, intellektuell abgehoben pädagogisch zu wirken.

Wir sind in jeder Beziehung nah dran an unserem Klientel und das bringt uns imagemäßig so richtig nach vorne.

Setzen, weitermachen!

Freitag, 20. Februar 2009

Dichter-Rennen



Zum 100.Geburtstag von Heinz Erhard:

Das Reh springt hoch, das Reh springt weit,
warum auch nicht, es hat ja Zeit.
gegoogelt:
Ergebnisse 1 - 10 von ungefähr 15.000 Seiten auf Deutsch für "Das Reh springt hoch das reh springt weit." . (0,13 Sekunden)

Jetzt schicke ich mal unseren Großdichter Goethe ins Rennen:

Nichts ist schrecklicher als ein Lehrer,
der nicht mehr weiß als das, was die Schüler wissen sollen.

gegoogelt:
Ergebnisse 1 - 10 von ungefähr 412 Seiten auf Deutsch für "Nichts ist schrecklicher als ein Lehrer, der nicht mehr weiß als das, was die Schüler wissen sollen." . (0,37 Sekunden)

Welcher tiefen Weisheit bin ich da auf der Spur?
  • Dass im Ranking deutscher Dichter eine neue Reihenfolge hergestellt werden müsste?
  • Dass uns Heinz Erhard mit seinem überwältigenden Optimismus, den der lakonische Zweizeiler vermittelt, einfach tausendfach mehr anrührt als der kluge Goethe?
  • Dass Gereimtes noch immer als bemerkenswert eingestuft wird?
  • Ich bin auf keiner Spur?

Wie auch immer:
1:0 für Heinz
GLÜCKWUNSCH!!

Mittwoch, 18. Februar 2009

Alles nur Schein

Heute gab's mal wieder Woyzeck!!!
Die Kanonmächtigen lassen nicht nach: immer wieder Woyzeck.
Der geplagte Lehrkörper kommt sich vor, als habe er, ähnlich wie der arme Woyzeck, seit Jahren nur Erbsen gegessen, immer das gleiche Literaturmenü in der Oberstufe.
Über die Beschränktheit dieses Procederes werde ich mich später mal auslassen.



Aber heute haben die Schüler mal wieder etwas Salz in die (Erbsen)Suppe gegeben, schön!

Aufgefallen war die Meinung Büchners, Bildung sei doch nur eine angehäufte Äußerlichkeit.
Nachdem einige Schüler die Verwertbarkeit dieser These im Hinblick darauf getestet hatten, dass damit ja, sozusagen mit Hilfe eines berühmten Dichters, die Hausaufgaben für morgen nun obsolet seien, ergab sich ein amüsantes Gespräch.

Die Schüler berichteten, wie vor allem Lehrer Büchners Auffasuung bestätigten, indem sie z.B. auch noch die dümmste Banalität mit einem lateinischen Zitat aufmotzten, die langweiligsten und überholtesten Inhalte noch damit retten wollten, indem sie drohten, dass dies auch schon die Alten Griechen so gemacht hätten.
Auch wir Deutschlehrer fallen in dieser Hinsicht bei Schülern auf:
"Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne", heißt: Jetzt kommt was Neues, das genauso langweilig ist wie das Vorige.
"Das also war des Pudels Kern", bedeutet: Richtig, aber nur wenn der Lehrer es gesagt hat, für eine Schülerantwort kann kein Goethe-Zitat verschwendet werden.

Ja so gab es noch viele Beispiele, was die Aktualität von Büchners Werk schon in dieser Stunde klar machte.
Mal schauen, wie wir da jetzt die Kurve kriegen.

Freitag, 13. Februar 2009

Elternsprechtag


Wer hat Angst vorm Elternsprechtag?
Alle!
Referendare, weil sie gehört haben, dass auch Eltern manchmal wissen wollen, was da im Unterricht so passiert und warum das sein muss, also auch die Fragen stellen, die sie von ihren Ausbildern gewohnt sind und bei denen sie immer das Falsche sagen.
Verpeilte Kollegen, weil sie nicht schon wieder beim dritten Elternpaar,das "nur mal so hören will, wie sich der Ramon denn so benimmt", einen fünfminütigen Monolog laslassen, um dann erschrocken festzustellen, dass sie eigentlich gar nicht wissen, wer Ramon ist, und schon überhaupt keine Vorstellung davon haben, von wem sie gerade eigentlich gesprochen haben.
Schüler 1, weil sie im Anschluss an den Elternsprechtag entweder noch mehr Stress bekommen oder sie sich unanständiger Solidaritätsbekundungen ausgesetzt sehen, weil ihre Eltern nach der Begegnung mit der leibhaftigen "Lehrkraft" nicht anders können.
Schüler 2, weil ihn seine Eltern oder vorzugsweise die Mama aus unerfindlichen Gründen zum Gedankenaustausch mit der Lehrerschaft "gleich mal" mitgebracht hat, was für alle Beteiligten in der Kürze und Hektik der Zeit nur zum kommunikativen Supergau werden kann.
Der Hausmeister, weil er so spät am Abend noch den Laden voll hat und zu seiner ganz großen Freude zum Schluss alle Toiletten kontrollieren muss.
Der Hauptfachlehrer, weil er befürchtet, dass ,wie im letzten Jahr, ungefähr zwei Stunden vor Schluss der Veranstaltung die Heizung abgestellt wird, was in Verbindung mit 24 pausenlosen Zehn-minuten- Gesprächen ohne die Möglichkeit, eine Toilette aufzusuchen, zu einem urologischen Notfall führen wird. Gar nicht auszudenken, wenn der oben erwähnte Hausmeister diesmal die Toiletten schon früher abgeschlossen hat, weil am Abend ein spannendes Fußballspiel im TV erwartet wird.
Die Eltern, weil für viele allein das Betreten einer Schule unangenehme Gefühle an die Oberfläche spült, die man gerne dort belassen hätte.

So ein Elternsprechtag ist also rundherum eine harmonische Angelegenheit, oder?

Montag, 9. Februar 2009

Proporz ?


Die Süddeutsche Zeitung meldete in ihrer online-Ausgabe gestern Abend zum Thema "Austausch des Wirtschaftsministers Glos":

"Man muss Karl-Theodor zu Guttenberg wohl eine Chance geben, schon der Höflichkeit halber. Vielleicht also, so der fromme Wunsch, wird der 37 Jahre alte Franke ein guter Bundeswirtschaftsminister. Zu erwarten ist das nicht angesichts der Vorarbeiten der eigenen CSU. Halten wir fest: Es sitzt nun einer auf Ludwig Erhards Stuhl, weil er immerhin a) nicht der falschen Partei (CDU oder SPD) angehört und b) nicht aus der falschen Region (Oberbayern) kommt. Ob der Mann ausreichend kompetent ist oder dass es bessere Kandidaten gegeben hätte, spielt keine Rolle - Hauptsache, man hat einen CSUler aus Franken mit telegenem Gesichtsausdruck. Willkommen, Herr Minister!
... Guttenberg ist Proporz."

Ich habe das Gefühl, bei der Verteilung von Posten spielt in unserem Bereich noch nicht einmal der Proporz (welcher??) noch eine Rolle.
Was ist mit ausreichender Kompetenz?

Kommentare und Antworten gerne hier.

Wer die Wahl hat...




Mir schwant Schreckliches

Unser immer unbeliebter werdender Dienstherr ist sauer. Bei seiner x-ten Wahl zum großen Landeslenker haben ihm, wie bei uns üblich, einige seiner Mitstreiter mal wieder hinterrücks vor das Schienbein getreten und ihn heimlich einfach nicht gewählt.
Man wird sich darauf einstellen müssen, dass dieses Thema unsere begnadeten Politiker aller Parteien wieder die halbe Legislaturperiode beschäftigen wird, sodass zum Beispiel im Bereich Bildung erneut nichts Ordentliches zustande gebracht wird, wegen: siehe oben.
Aber es wird etwas kommen, das scheint jetzt klar.
Denn, Achtung!!
Wie lautet die Erklärung unseres Landesvaters , die neuerliche unfaire Attacke betreffend:
Es gebe gar keine bösen Buben, die ihn nicht mehr leiden mögen, vielmehr seien eben diese jetzt so Geziehenen schlicht ein Opfer der neuen Stimmabgabeprozedur und somit unschuldig und er damit ganz 100-prozentig beliebt.
Schuld sei allein, dass man, wenn man ihn habe lieb haben wollen, man diesmal eine Stimmkarte habe durchstechen, ja, ja, durchstechen müssen.
Diesem argumentativen Schwergewicht entgegnet nun, so lese ich es heute in der Zeitung, eines jener intellektuellen Polit-Leichtgewichte:
Jeder Abgeordnete sei doch schließlich in der Schule gewesen und es sei von daher sichergestellt, dass das Durchstechen einer Stimmkarte von jedermann erledigt werden könne.
Na, ahnen Sie mit mir, auf was wir uns demnächst im pädagogischen Untergrund werden gefasst machen können?
Richtig, zuerst die Forderung nach der Einführung eines Wahlfaches „Die Wahl“, dann das Etablieren eines Pflichtfaches „Die richtige Wahl“, wahlweise unter Abschaffung so unwichtiger Fächer wie Musik, Sport oder Kunst.
Ja, und dann, damit in fünf Jahren alles glatt läuft, für jeden Schüler die verpflichtende Teilnahme an einer Projektwoche zum o.g. Thema mit dem handlungsorientierten Höhepunkt „Keine Stimmkarte ohne Loch“.
So wird das gemacht.

Mittwoch, 4. Februar 2009

IN and Out-Liste


Wer sich lange genug im pädagogischen Untergrund aufgehalten hat, fühlt sich meist recht sicher, lässt sich von modernistischen Trends nur noch mäßig beeindrucken und sieht die inflationären, bürokratisch und politisch motivierten pädagogischen Sturzgeburten mit der gebotenen Ruhe an.

Trotzdem tut auch diesen Felsen in der schulischen Brandung ein wenig Orientierung ab und an gut.

Das dachte sich auch ein geschätzter Kollege und legte zur allseitigen Information folgende Liste vor, die ich hier gerne mit seiner Erlaubnis verbreite. Danke Gunther.

Was ist in, was ist out? Das Wichtigste im Überblick:


IN

OUT

Kompetenzorientierung

Handlungsorientierung

Science Scouts

Pull Out-Tage für Hochbegabte

Module

Zusammenhänge

??????

Portfolios mit Creditpoints

Verlässliche Schule

Unterrichtsgarantie Plus

Anglizismen, die Innovationen

vortäuschen (s.o.)

Appelle, gerne auch von Seiten des HKM,

auf Anglizismen zu verzichten

Broschüren des Amts für Lehrerbildung

zur Fortbildung künftiger Führungskräfte

Broschüren des Amts für Lehrerbildung

zur Fortbildung der gemeinen Lehrkraft

Fortbildung jederzeit

Fortbildung nur in unterrichtsfreier Zeit

Wahlunterricht

Wahlpflichtunterricht



Dienstag, 3. Februar 2009

Schon erledigt

Bad-Bank
Bad-School

Haupt-Schul

Und verstaatlicht ist das schon lange.

Bildung ist klar vorne!!

Ein schönes Stückchen Haupt-Schul gibt's hier:



Sonntag, 1. Februar 2009

Schlauer werden durch Lehren


Laut FAS von heute wurde in einer Studie die Theorie erhärtet, dass man durch das Lehren einen größeren Lernzuwachs hat, als wenn man einfach nur belehrt wird, also lernt.
Irgendwie kommt mir das bekannt vor, ich meine dem auch schon methodisch Rechnung getragen zu haben, z.B. die "Expertenmethode" oder ähnliches anwendend.
Der Satz: "Intelligenz, heißt das, lässt sich erlehren", hat mich dann aber stutzig gemacht:
Eingedenk so mancher Begegnung im pädagogischen Untergrund erweisen sich zumindest einige Lehrende als theorieresistent, diesen Eindruck könnte man jedenfalls gewinnen.
Weitere Studien scheinen mir angebracht.